Rohes Putenfleisch sicher zubereiten: Muss man Putenfleisch waschen? Hygieneregeln und Antworten auf häufige Fragen
Beim Umgang mit rohem Geflügel sind viele Verbraucher unsicher. In Foren und Kochbüchern hält sich hartnäckig der Rat, Putenfleisch vor dem Braten gründlich zu waschen – doch genau das kann zur Verbreitung krankmachender Keime in der Küche führen. Dieser Beitrag erklärt, warum das Abspülen von Putenfleisch in der Regel keine gute Idee ist, welche Hygieneregeln in der Küche gelten und wie Sie Putenfleisch sicher zubereiten. Die wichtigsten Punkte finden Sie gleich zu Beginn im Überblick.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Rohes Putenfleisch nicht waschen: Anders als häufig angenommen müssen Sie rohes Putenfleisch vor dem Garen nicht abspülen. Gesundheitsbehörden wie das Robert‑Koch‑Institut (RKI) und das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) raten sogar davon ab, weil beim Waschen Bakterien durch Wasserspritzer auf Arbeitsflächen, Küchenutensilien oder andere Lebensmittel übertragen werden können.
- Nur bei sichtbarer Verschmutzung kurz abspülen: Wenn das Fleisch durch Verpackungsmaterial oder Federn verschmutzt ist, tupfen Sie die betroffene Stelle mit Küchenpapier ab oder halten Sie das Fleisch kurz unter sanft laufendes Wasser und reinigen Sie danach Spüle und Umgebung gründlich.
- Trennung verhindert Kreuzkontamination: Lagern und verarbeiten Sie rohes Fleisch getrennt von Lebensmitteln, die roh verzehrt werden. Benutzen Sie für rohes und gegartes Fleisch verschiedene Schneidebretter, Messer und Bestecke.
- Richtig auftauen und lagern: Tauchen Sie Geflügel im Kühlschrank auf, fangen Sie das Auftauwasser auf und entsorgen Sie es sofort. Verpackung und Auftauflüssigkeit gehören sofort in den Müll; reinigen Sie anschließend benutzte Gefäße und Hände.
- Durchgaren tötet Keime ab: Kochen oder braten Sie Putenfleisch vollständig durch. Die Kerntemperatur sollte mindestens 70 °C erreichen und zwei Minuten lang halten – nur so werden Salmonellen und Campylobacter sicher abgetötet.
- Arbeitsflächen sauber halten: Nach dem Umgang mit rohem Fleisch Hände gründlich mit warmem Wasser und Seife waschen und alle Kontaktflächen sowie Geräte mit heißem Wasser und Spülmittel reinigen.
Muss man Putenfleisch waschen?
Viele Menschen spülen rohes Putenfleisch vor dem Braten mit Wasser ab, weil sie glauben, dadurch Keime zu entfernen. Tatsächlich ist das Gegenteil der Fall: Beim Abspülen unter dem Wasserhahn verteilen sich Salmonellen und Campylobacter über Wassertröpfchen im Spülbecken, auf der Arbeitsfläche und an den Händen. Die Bakterien werden erst beim Erhitzen zerstört. Das RKI und das BfR warnen daher ausdrücklich vor dem Abwaschen von Geflügel.
Ausnahme – sichtbare Verunreinigungen
In einigen Fällen kann es sinnvoll sein, das Fleisch kurz abzuspülen – etwa wenn Federn, Knochensplitter oder Schmutz daran haften. Gehen Sie dabei besonders vorsichtig vor:
- Halten Sie das Fleisch nur kurz unter einen sanften Wasserstrahl, damit keine Spritzer entstehen.
- Tupfen Sie das Fleisch anschließend mit Küchenpapier trocken und entsorgen Sie das Papier sofort.
- Reinigen Sie die Spüle, die Arbeitsfläche und Ihre Hände anschließend gründlich mit heißem Wasser und Spülmittel oder Seife. Laut einer US‑amerikanischen Studie blieben bei jeder siebten Testperson nach dem Säubern des Spülbeckens noch Keime zurück – reinigen Sie also sorgfältig und desinfizieren Sie bei Bedarf.
Hygienischer Umgang mit rohem Putenfleisch
Keime wie Salmonellen oder Campylobacter sitzen vor allem auf der Oberfläche von rohem Geflügel. Um zu verhindern, dass sie auf andere Lebensmittel übergehen, sind folgende Regeln wichtig:
1. Trennung von rohen und gegarten Lebensmitteln
- Bewahren Sie rohes Fleisch im Kühlschrank in einer gut verschlossenen Schale oder Verpackung auf und lagern Sie es getrennt von Lebensmitteln, die roh verzehrt werden (Salat, Obst, Desserts).
- Legen Sie Putenfleisch beim Auftauen auf einen Teller oder in eine Schüssel, die das Auftauwasser auffängt; entsorgen Sie das Wasser direkt und reinigen Sie die Schale anschließend mit heißem Wasser und Spülmittel.
- Verwenden Sie unterschiedliche Schneidebretter, Messer, Gabeln und Teller für rohes Fleisch und für gegarte Lebensmittel.
2. Sauberkeit von Händen und Arbeitsflächen
- Waschen Sie sich vor und nach der Verarbeitung von rohem Fleisch gründlich die Hände mit warmem Wasser und Seife.
- Säubern Sie Schneidebretter, Messer, Küchenhelfer und Arbeitsflächen unmittelbar nach der Nutzung mit heißem Wasser und Spülmittel.
- Küchenlappen, Spüllappen und Geschirrtücher nehmen schnell Keime auf. Wechseln Sie diese regelmäßig aus oder waschen Sie sie bei mindestens 60 °C in der Maschine.
3. Richtig auftauen und lagern
- Lassen Sie gefrorenes Putenfleisch im Kühlschrank auftauen, nicht bei Zimmertemperatur. So können sich Bakterien kaum vermehren.
- Fangen Sie das Auftauwasser auf und entsorgen Sie es sofort; reinigen Sie die Auffangschale und die Hände anschließend gründlich.
- Lagern Sie rohes Fleisch immer im unteren Fach des Kühlschranks, damit austretender Fleischsaft nicht auf andere Lebensmittel tropft. Das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit empfiehlt Temperaturen von 2–3 °C für Fleisch und Geflügel.
4. Durchgaren
- Kochen, braten oder grillen Sie Putenfleisch so lange, bis im Inneren eine Temperatur von mindestens 70 °C erreicht wird und diese zwei Minuten lang anhält. Ein Fleischthermometer schafft Sicherheit.
- Achten Sie darauf, dass das Fleisch nicht mehr rosa ist und der austretende Saft klar erscheint. Wenn Sie ein Stück am Knochen haben (z. B. Keulen), darf am Knochen kein roter Saft mehr austreten.
- Legen Sie gegartes Fleisch immer auf sauberes Geschirr, nicht auf das Brett oder den Teller, auf dem zuvor das rohe Fleisch lag.
Was ist mit Putenschnitzel und Geflügelhack?
Putenschnitzel: Die gleichen Regeln gelten auch für Putenschnitzel. Schneiden Sie das Fleisch am besten mit sauberen Küchenwerkzeugen und geben Sie es anschließend direkt in die Pfanne oder auf den Grill. Auch hier ist Waschen nicht erforderlich und kann eher schaden.
Geflügelhack: Hackfleisch besitzt eine große Oberfläche, auf der sich Bakterien schnell vermehren. Verarbeiten Sie Geflügelhack möglichst am Tag des Einkaufs und garen Sie es vollständig durch. Das LGL rät, Fleisch und Fleischgerichte vollständig zu garen und auf Kerntemperaturen von 70–80 °C zu erhitzen.
Warum ist rohes Putenfleisch kritisch?
Auf rohem Geflügelfleisch kommen häufig krankmachende Bakterien vor. Eine Untersuchung des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit ergab, dass ein Teil des im Handel erhältlichen Geflügelfleisches mit Salmonellen belastet war und über 30 % der untersuchten Proben Campylobacter enthielten. Campylobacter‑Infektionen gehören in Deutschland zu den häufigsten Ursachen für bakterielle Magen‑Darm‑Erkrankungen. Eine Infektion kann Durchfall, Bauchschmerzen und Fieber auslösen und ist besonders für Kinder, ältere Menschen und Personen mit geschwächtem Immunsystem gefährlich.
Häufige Fragen
- Soll ich Putenfleisch nach dem Auftauen abwaschen?
Nein. Auch nach dem Auftauen gilt: Nicht waschen. Es genügt, austretendes Wasser abzugießen und das Fleisch mit Küchenpapier trocken zu tupfen. Waschen würde die Keime nur verbreiten. - Kann ich Putenfleisch roh essen?
Nein. Rohes Geflügel ist niemals zum direkten Verzehr geeignet, da es mit krankmachenden Bakterien belastet sein kann. Erst durch Erhitzung werden diese Keime abgetötet. - Wie lange ist frisches Putenfleisch haltbar?
Frisches Geflügel sollte stets im Kühlschrank bei 2–3 °C gelagert und innerhalb von ein bis zwei Tagen verarbeitet werden. Beachten Sie das Verbrauchsdatum auf der Verpackung und entsorgen Sie Fleisch, das unangenehm riecht oder schleimig wirkt. - Was tun, wenn dennoch Keime auf die Arbeitsfläche gelangt sind?
Reinigen Sie die Fläche mit heißem Wasser und Spülmittel. Desinfizieren Sie bei Bedarf. Waschen Sie anschließend die Hände gründlich. Wechseln Sie Lappen und Handtücher aus.
Fazit
Rohes Putenfleisch ist ein sensibles Lebensmittel und erfordert hygienisches Arbeiten. Waschen vor dem Garen ist in der Regel nicht notwendig und erhöht das Risiko einer Verbreitung von Salmonellen und Campylobacter auf andere Lebensmittel. Entscheidend ist, rohes und gegartes Fleisch strikt zu trennen, Arbeitsflächen sowie Hände zu reinigen und Putenfleisch durchzugaren. Wenn Sie diese Grundregeln beachten, steht einem ungetrübten Genuss nichts im Wege.